Eibesdorf 2007-2013


Veröffentlicht von Administrator am 31 May 2013

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Immer wenn ich von Medias kommend um jene Biegung fuhr, die den Blick auf die Kirchenburg von Eibesdorf freigab, konnte ich einfach nichts anderes denken als:

„Ein feste Burg ist unser Herr!’’ Genauso steht sie da.

Der Brand im Pfarrhaus ist ja schon eine Weile her, ich glaube Silvester 2010/2011 oder das Jahr davor??? Egal.

Ja, letzten Sommer, Anfang Juli war ich auch wieder in Eibesdorf! In der Einfahrt des Pfarrhaushofes lagen zwei Berge Sand und es war tatsächlich gearbeitet worden. An Stelle der ehemaligen Scheune/Garage, gleich neben dem kleinen Verwaltungshaus, steht jetzt ein neues Gebäude und das Verwaltungshäuschen selbst war auch noch im Umbau. Eine nette Mansardenetage strahlte einen unter dem neu gezimmerten Dachstuhl an. Die Ausbauarbeiten im Erdgeschoß waren offensichtlich noch im Gange und ich war erfreut. Das ließ sehr bald nach, als ich auf meine Nachfrage erfuhr, dass wegen Uneinigkeit zwischen Bauherrn und Bauausführenden, die Arbeiten kürzlich, bis auf weiteres, eingestellt wurden.

Bis auf weiteres.... diese Woche kam ich nun wieder einmal abends mit Freunden, in Eibesdorf an. Sie sollten die Romantik und Gastlichkeit in alter Tradition eines sächsischen Pfarrhauses kennen lernen, denn Bran hatten wir schon besucht.

Als das Tor geöffnet wurde, traute ich kaum meinen Augen : lagen dieselben Sandhaufen an Ort und Stelle, wie 9 Monate vorher!!!!! Auf meine Frage, ob es denn tatsächlich dieselben Haufen wären, wurde mir von der Schlüsselverwalterin und 'Gästebetreuerin' (einer rumänischen Nachbarin des Hauses) bestätigt, dass seit damals keine Arbeiten mehr stattgefunden haben. Aber dafür werde ja an der Burg gebaut, wo von ich mich am nächsten Tag überzeugen konnte...

Das Pfarrhaus selbst ist in einem absolut jämmerlichen Zustand!! Ich bin gegen Panikmache genauso wie gegen Bagatellisierung, aber Fakten sind eben Fakten und sollten ernst genommen werden. Was fand ich vor?

Über die Heizungsart will ich hier kein Wort verlieren. Das muss man gesehen haben. Wir reden hier von einem Gästehaus, dass im entsprechenden Buch und auch hier auf der Seite, als eines der schönsten und komfortabelsten Häuser angepriesen wird!!!

In der Küche blüht fröhlich und großflächig der Kalksalpeter: direkt über dem Kochherd... zur Würze etwas Ca(NO3)2 ? Fast alles hat eine schmierig- schmuddelige Patina. Von der Ausstattung der Küche ist fast nichts mehr vorhanden, außer Tellern und Gläser, denn die waren im Gemeindehaus ausreichend vorhanden. Geschirrtücher und Handtücher sind entweder schmuddelig, zusammengeknüllt im alten Backofen zu finden oder gar nicht.

Die hier in der Gästehausliste beschrieben Toiletten 'Bäder'' sind ebenso schmuddelig und abgenutzt - ich erspare mir lieber die Details. Die Betten sind offensichtlich aus Spenden Anfang der 90er - made in den 60ern des vorherigen Jahrtausends- mit Matratzen, die mindestens genauso alt sind und durchgelegen (in meinem Zimmer standen gleich 3 ohne Zwischenraum nebeneinander!! – man muss offensichtlich die Bettenanzahl wahren), aber mit netten chinesischen Kunstseidelaken bedeckt. Die Bettdecken bestehen aus bezogenen, dünnen Tagesdecken- bei Holzheizung mit Gasbrenner in Eigenleistung und -5°C Außentemperatur – Zusatzdecken Fehlanzeige. Wir hatten ja zum Glück Schlafsäcke dabei. Wie schon geschrieben: Handtücher sucht man vergebens. Die schlummern seelig ihren Mottenschlaf im verschlossenen Schrank. Die

Auf den, sicher im letzten Herbst ausgelegten Fressködern liegen in der Küche ganze Familienverbände von Insekten, ebenso im großen Schlafsaal.

Die Zimmerdecken weisen überall rinnsalartige bis großflächige Wasserflecken vom Dachboden kommend auf. Teilweise sind die Schäden großflächig verputzt.

Noch mehr? Gerne.... und leider: am nächsten Morgen sah ich dann, dass auch an den neu verputzten Häuschen die Feuchtigkeit schon wieder fröhlich aufsteigend Einzug gehalten hat... na, wenigstens eine , die sie nutzt!

Wieso wurden die Gelder, welche zum Um- und Ausbau der Anbauten verwendet wurden, nicht sinnvoll im Pfarrhaus eingesetzt?? Dort das Dach zu reparieren und die Etage zur Mansarde umzubauen, wäre viel effektiver gewesen - und machbar (ich hatte mir das mit einem Fachmann 2008 angesehenk!!)

Ich rede nicht von einem Zufallsbesuch und temporären Umständen, sondern einem schleichendem Verfall, den ich seit 5 Jahren beobachte, seit das Haus erst einem raffsüchtigen Geschäftemacher und dann der Nachbarin (welche sicher nach IHREM guten Wissen und Gewissen das NÖTIGSTE tut) und sich selbst überlassen wurde.

Wenigstens baut die Nachbarsfamilie auf dem Pfarrgrundstück zur Selbstversorgung Gemüse an!!! Einen Zaun gibt es zwischen den Grundstücken ja nicht mehr... Und so wird auch der hauseigene Wein zum Nachbarschaftsgut… ist ja keiner da, den es stört.

Wäre es nicht an der Zeit etwas zu tun? Vielleicht hat erbarmt sich ja mal ein Sommerbesucher, sich das Haus anzusehen. Denn das hat nichts mehr mit Gastlichkeit in alter Tradition eines sächsischen Pfarrhauses zu tun!!

Es sollte auch die Liste (und somit auch das Buch) zu den Gästehäusern aktualisiert werden - und das nicht nur mit ''copy'' und ''paste'' !!!

Übrigens: bevor ich hier gepostet habe, habe ich lange überlegt, ob ich es wage, da es mich als Ostsächsin ja nichts angeht, wie mir von Siebenbürger Sachsen gesagt wurde... Aber ich musste es schreiben, denn Eibesdorf war eben einmal vor 5 Jahren mein Herzblut.

Mit besten Grüßen Clara

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Kommentare

Matthias Wetzel von Unbekannt am 30 Jun 2013
Den Bericht zu lesen tut weh. Schließlich kümmerten meine Frau und ich uns fast drei Jahre lang um das Gästehaus (von 2006 bis 2008). In dieser Zeit renovierten wir viel und schafften neue Sachen an. Viel Unterstützung erhielten wir dabei vom Kurator Stefan Wagner und seiner Frau Regina. Durch die vielen Besucher war auch genügend Geld für Reparaturmaßnahmen vorhanden. Leider mussten wir 2008 wieder nach Sachsen zurück und die Kirche entschied sich, das Pfarrhaus einer überaus dubiosen Familie aus Westdeutschland zu überantworten. Bei einem ersten Besuch ein Jahr später waren schon erste Spuren des Verfalls zu spüren. Es war klar, dass Familie Herrmschröder nicht in der Lage war, ein Gästehaus zu führen. Der Brand des Verwalterhauses war dann der endgültige Beweis. leider hat sich niemand zuverlässiges gefunden, das Haus weiter zu bewirtschaften. So muss Nachbarin Moni nach dem rechten sehen. Da sie einen eigenen Hof zu bewirtschaften hat fehlt ihr natürlich die Zeit und die Kraft fürs Gästehaus.
Christa Klein von Unbekannt am 19 Aug 2013
Hallo Ihr Lieben, nach 31 Jahren, habe auch ich, mich spontan entschlossen meiner Heimatgemeinde einen Besuch abzustatten. Nachdem das Pfarrhaus als Übernachtungsmöglichkeit überall im Internet angepriesen wird, freute ich mich schon darauf, ein paar Tage hier \"Zuhause\" zu verbringen. Hätte ich doch vorher diesen Erfahrungsbericht gelesen. Ich kam also erschöpft, bei 41 Grad Außentemperatur an und wollte mir den Schlüssel von dieser Verwalterin \"Moni\" holen. Sie war erfreut und eifrig, da wohl so gut wie klein zahlender Gast mehr in diesem Gemäuer nächtigt. Sie bot uns ein Bett in einem 8 Betten Zimmer an, wo nebenan noch 2 rumänische (Zigeuner) Bauarbeiter schliefen. Alles modrig, feucht, schimmelig. Das sogenannte Bad mit Kloo ohne Kloobrille und eine Dusche zum Gotterbarmen. Das Beste von allem, ohne Wasser. Von der Küche will ich gar nicht reden. Alles in allem gesagt, wir hätten hier ein Bett haben können für 10 Euro pro Nacht. Ich habe mich höflich bedankt und bin in ein Hotel nach Mediasch gefahren. Den Schlüssel für den Friedhof, habe ich mir auch geholt und meiner Großmutter ein paar Blümchen getragen. Der eingezäunte Weg zum Friedhof wird wohl als Pferdestall benützt, da der ganze Weg bis rauf, bedeckt ist mit frischer Pferdescheiße. Auf dem Friedhof überall Blätter und Unkraut. Die Kirche durfte ich mir auch anschauen, da ist alles aueinandergenommen, Bänke rausgetragen, Wände nass und moderig. Mir wurde gesagt, der Bagger stünde draussen und es würde kräftig gearbeitet. Außer den beiden nächtigenden Bauarbeitern, war aber kein Mensch in Sicht. Durch die Port, meinem ehemaligen Schulweg folgend, bin ich in die Scheppelgasse gegangen. Kein Tropfen Wasser in dem, was wir früher Bach nannten. Das Unkraut ist höher als die alte, baufällige Metallbrücke. Unser ehemaliges Wahrzeichen, der Budaloubrunnen, den mussten wir erst im Gestüpp suchen. Das Wasser ist vermodert, es schwimmen Algen, Ungeziefer und Schlamm darin. An einem Baum hängt ein Schild, dass es untersagt ist hier Teppiche zu waschen, bei einer Strafe von 1500 Lei. Ich musste schmunzeln, da das Gelände der Brücke mit Teppichen die zum Trocknen aufgehängt waren, bedeckt war. Die stanken bei 41 Grad zum Himmel. Man konnte raten, ob die so stanken, vor oder nach dem Bad im Bodalou. Unser ehemaliger Spielplatz und Vorzeigeplatz, ich würde fast behaupten, das Zentrum unserer Strasse, die Linden und der Platz unter den Linden, alles weg. Es steht noch eine einsame Linde, aber es gibt keine Bänke mehr, keinen Schatten, keinen erkennbaren Platz. Die wilde Natur erobert sich Eibesdorf zurück. Unsere ehemaligen Sachsenhäuser brechen allmählich eins nach dem Anderen zusammen. Die Brunnen auf den Sachsenhöfen sind verseucht, die Bewohner der Häuser, fast ausschließlich Zigeuner, holen sich das Wasser vom Ende der Strasse aus einem noch sauberen Brunnen. Für mich war diese Reise sehr emotional und schön. Es war eine Zeitreise in die Vergangenheit und trotz des Schmutzes und der Hitze habe ich sie sehr genossen und werde immer wieder gerne dorthin zurückkehren. Zeitgleich als ich die Kirche besichtigt habe, kam eine Familie aus Rostock an. Unsere Verwalterin \"Moni\" war voller Elan, sie mit Händen und Füssen zu überreden im Pfarrhaus zu nächtigen. Dabei habe ich mich ehrlich gesagt geschämt, weil die Angaben im Internet, mit der Wirklichkeit NICHT übereinstimmen. Ich habe dieses Ehepaar bedauert, weil ich mir nicht vorstellen kann, was diese Menschen in Eibesdorf anschauen wollten. Das moderige Pfarrhaus? die auseinandergenommene, renovierungsbedürftige Kirche mit der Baustelle Burg? den verschissenen Weg zum Friedhof? die staubigen, löchrigen Strassen? die zerfallenen Häuser oder das neu entstandene Biotop, wo einst ein Bach war? Alles zerfallen, das Buffet, das Geschäft, der Saal wo wir so schöne Feste gefeiert haben. Ich seh das alles mit den Augen der Kindheit und der Vergangenheit, aber ein Tourist sieht es mit den Augen der Gegenwart. Ich hoffe und wünsche mir, dass, wenn meine Kinder und Enkelkinder in der Zukunft diesen kleinen Heimatort besichtigen, noch ein paar Sachen entdecken können, die sie aus den wehmütigen Erzählungen Ihrer Eltern und Großeltern kennen. Ich grüße Euch alle und hoffe, viele von Euch auf dem Eibesdorfer Treffen wiederzusehen! Christa Klein , geb. Weingärtner

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